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 Corona und Pferde in Frankreich: Tagebuch
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Prijon
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8014 Beiträge

Erstellt  am: 22.03.2020 :  13:25:30 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
#stayathome, #blibetdehei finde ich gut. Trotzdem schwinge ich mich Morgen für Morgen auf mein Velo. Mein Tag sieht seit letztem Dienstag so aus:
6.00 Uhr aufstehen, Kaffee trinken,Zeitung lesen, Nachrichten hören
7.00 Uhr Formular ausfüllen
7.15 Uhr ich mache mich mit dem Velo auf den Weg zum Stall.
unterwegs seh ich z.B. heute eine Joggerin, einen Hundespaziergänger und den Helikopter, der vermutlich schwerinfiszierte Patienten vom Elsass in ein Schweizer Spital fliegt. (dies wurde heute in den Nachrichten gesagt).
Als ich mich kurz vor dem grünen Grenzübertritt befinde, sehe ich auf der Strasse die französische Gendarmerie. Nun habe ich doch leichtes Herzklopfen und bin gespannt, was sie mit mir machen.
Aber sie fahren vorbei (zum Grenzposten ists nur ca. 50 Meter); ich weiss, dass sie mich gesehen haben und gleich, als ich ins Stallwägli einbiege, fahren sie wieder an mir vorbei und machen gar nichts mit mir. Dies sagt mir, dass ich wohl doch nichts soooo Verbotenes mache.

7.30 Uhr winke winke den vier Stallarbeitern. Ich freue mich immer, am Morgen alle gesund zu sehen. Sie sind fröhlich, obwohl alle Familien in Polen haben. Handy, Whatsapp etc. sei Dank. Sie können gut Verbindung halten mit ihren Familien und anscheinend sind dort ihre Angehörigen alle gesund.
Die Stallbesi ist natürlich auch schon unterwegs und zeigt mir ihren "Daumen hoch".
7.31 Uhr mit dem Velo fahre ich direkt in die Stallgasse von Shadow, um es anschliessend in meiner Sattelkammer zu parkieren. Shadow stöbert in meinem Täschli nach dem Rüebli.
Da das Wetter heute nicht mehr unbedingt schön ist und extrem viel kühler als gestern will sie nicht mehr soooooooo unbedingt auf die Weide.
7.35 Uhr: Besuch mit einer Ladung Silage bei den Jungen. Die sind wohlauf und haben seit gestern nichts kaputt gemacht und sogar die Halfter hängen lassen. Anscheinend ist auch keine von beiden mehr rossig, weil der Nachbar-Wallach nicht angeflirtet wird.
7.40 Uhr wieder zurück bei Shadow. Gfätterle bei ihr. Boxe misten (dies mache ich bei ihr schon lange selbst - einfach so). Natürlich hat sie auch ein Bitzeli Silage erhalten.
8.15 Uhr Shadow wird aufs Herdenpaddock gebracht. Ausser ihren Babys sind alle auch drauf. Trotzdem jammert sie rum.
8.20 Uhr Kaeley und Dafiina müssen wieder ins Karussell. Immer noch führen alle, die anwesend sind, "Grundversorgung" durch. Reiten tut kaum jemand; ein paar wenige gehen noch grasen.
8.30 Uhr: von einer Pensionärin erfahre ich die neuesten Gerüchte. Anscheinend wurde jmd. nun kontrolliert beim grünen Grenzübergang. Aber sie hatte alle Papiere und Formulare dabei und man liess sie "laufen".
Zudem sei jemand von einem Helikopter verfolgt worden (das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen, wir sind ja nicht im Krieg mit Frankreich)

9.00 Uhr: die Jungen zwei kommen vom Karussell direkt aufs Paddock. Nun rennt die ganze Herde zum provisorischen Weidetor, das auf die Grünfläche führt. Die Rössli sind ja nicht dumm.
Schon beim zweiten Mal wissen sie, dass ich ihnen die Tür zum Paradies öffne. Gut, es sind ein paar alte Hasen dabei, die das bereits zum x-Mal mitmachen.
Ich also öffne inmitten der 9 "ich will als erste auf die Grünfläche und mach jetzt und zwar sofort auf"-Pferde die Weide und die Herde donnert los.
Die Stallbesi kommt mit der Neuen, welche zuerst das Weideöffnungsöhr nicht findet und natürlich dumm in der Ecke steht. Plötzlich kommt Bewegung in die Herde: eine Neue auf unserem Paddock - das geht nicht.
Zum Glück lässt die Neue sich gut einfangen und aufs Gras führen und sofort ist sie für die anderen uninteressant.
Ich halte eine Stunde Wache und es passiert genau gar nichts. Damit hätte ich nicht gerechnet. Ein bisschen Zickereien hätte ich schon erwartet. Ich friere mir eine Stunde den A*** ab und habe nichts zu tun, ausser Ästli auflesen. Es weht eine satte Bise. Nun ja, auf der Weide sieht mich niemand und ich mache in Gummistiefel und Winterjacke zu Handymusik ein kleines Workout zum Zeitvertreib.
10.15 Uhr Die Stallbesi kommt und holt die Neue ab. Ich warte, bis sie den Paddock verlassen hat und dirigiere die Herde mit der Longierpeitsche auch Richtung Paddock und siehe da, auch heute klappts wider Erwarten super.
Die zwei Leitstuten, eine davon gehört eh mir, hören tatsächlich auf mein Kommando "hopp ab, fertig grase" und ich übe nur ein wenig Druck aus im Abstand von ca. 10 m. Ich bin die Pferdeflüstererin

10.30 Einstreuen bei Shadow, ihr ihr Abendmüesli parat machen, Tränke nachschauen

Der Stall ist wie ausgestorben. Das Personal schon fertig mit Misten und keine Pensionäre, die ihren Sonntagsausritt vorbereiten. Schon irgendwie komisch, unheimlich und noch nie erlebt.

10.55 Uhr, ab nach Hause. Mein Stall-Zeitfenster läuft ab.

Auf meinem Heimweg, der, da es Bergauf geht, ein wenig länger dauert und die Bise mir nun entgegenwindet, seh ich den Helikopter wieder.
Militärhelikopter mit rotem Kreuz drauf.

11.15 Uhr ab sofort mache ich wieder #bleibzuhause

im Stallchat vertreiben sich die Leute die Zeit mit Filmli, Witz und Wetten: in den nächsten Tagen sollten zwei Fohlen zur Welt kommen. Eins davon gehört der Stallbesi. Wir wetten, wann es kommt und was es ist und wie es aussieht.
Mein Tipp: 24. März, 23.50 Uhr, Stute, ohne Abzeichen.

Mein Handy erinnert mich daran, dass heute meine Wellness-Tage zum 25. Hochzeitstag beginnen. Selbstverständlich habe ich diese längst abgesagt. Das Hotel war sehr kulant und erhob keine Annulierungskosten.

Auch der Rückflug von meinem Bruder von den Seychellen kommt anscheinend zu klappen. Bin gespannt.

Wir haben kleine Pferde für kleine Leute, kräftige Pferde für kräftige Leute, schlanke Pferde für schlanke Leute, große Pferde für große Leute.
Und für alle, die noch nie geritten sind, haben wir Pferde, die noch niemand geritten hat.

Bearbeitet von: Prijon am: 22.03.2020 13:30:55 Uhr
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Prijon
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8014 Beiträge

Erstellt  am: 23.03.2020 :  16:04:01 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Montag, 23. März 2020

Anstatt dass ich wie jeden Montag bereits am Morgen arbeiten gehe, schwinge ich mich, wie gestern beschrieben wieder aufs Velo. Unterdessen geht im Chat die Post ab, mal solle zu Hause bleiben, damit unsere Stallbesi und ihre Mannschaft gesund bleibt.

Wie immer bin ich hin und her gerissen, nehme Rücksprache mit der Stallbesi, was ich machen soll. Entweder ihr helfen [selbstverständlich mit allen Vorschriften wie Händewaschen, Hände desinfiszieren, Abstand halten und wieder von vorne] oder zu Hause bleiben.
Wir einigen uns, dass sobald unsere Herde angegrast ist, ich auch zu Hause bleiben werde.
Ich spreche auch mit einer Pferdebesi, welche als Krankenschwester arbeitet, ob sie es falsch findet, dass ich nicht zu Hause bleibe .. sie sagt sofort nein: sie kennt mich, weiss, dass ich gemäss den Vorschriften handle und zur Unterstützung der Stallbesi komme.

Für mich ist es Ehrensache, dass ich eine allfällige Busse, welche meinetwegen ausfällt, übernehmen werde und eine Busse, welche allgemein ausfällt, ich mich beteiligen werde.

Und: ich kümmere mich darum, dass 10 Pferde angegrast sind und dann sich selbst überlassen werden können. Dies dauert noch ca. 5 Tage.

Hier meine drei von links Dafiina, Kaeley und Shadow


Da wir nicht wollen, dass die Herde mit der Neuen "schlimme" Schlägereien macht von wegen Tierarzt oder Hufschmied, schiebe ich heute - schon wieder bei Bise - 1.5 Stunden Wache. Ich habe aber ein bisschen Arbeit mitgenommen und mache neben Workout auch Homeoffice eh nein meadow offfice

eine Stunde grasen alle friedlich und urplötzlich kommt die Neue und spaziert einfach auf die Herde zu. Die Leitstute, rossig, stellt sich ihr in den Weg und zwei rangniedere Stuten kommen sofort hinzu. Alle Quitschen schlimmer als im Schweinestall und die Neue und die Leitstute drehen blitzschnell Hinterteil an Hinterteil und schlagen zu. Ich - immer noch in Gummistiefel und nach Workout - seckle mit der Longierpeitsche in die Nähe, aber die Neue lässt sich nicht unterkriegen und grast einfach inmitten der Herde weiter. Die anderen sind völlig perplex. Meine drei kucken nur und machen nicht mit.

Aber so hat sie sich selbst integriert. Respekt. Habe ich noch nie so erlebt.

Als die Stallbesi mit der Neuen weg ist, sind drei von neun in der hintersten Ecke. Aber auch heute klappt die Rückführung oder Rücktreibung tiptop. Es macht mir sogar Spass mitten auf der Weide die Peitsche zu schwingen und die Herde zu dirigieren.

Wir haben kleine Pferde für kleine Leute, kräftige Pferde für kräftige Leute, schlanke Pferde für schlanke Leute, große Pferde für große Leute.
Und für alle, die noch nie geritten sind, haben wir Pferde, die noch niemand geritten hat.
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Prijon
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8014 Beiträge

Erstellt  am: 24.03.2020 :  16:25:14 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Dienstag, 24. März 2020: unser 25. Hochzeitstag

Eben, eigentlich wären wir im Wellnesshotel am Titisee. Nun Wellnessen wir halt zu Hause.

Aber da wir nicht wellnessen können, ist halt mein Tagesablauf wie gehabt. Als ich mich auf dem Grenzweg befinde (und laut Karte ist wirklich die eine Hälfte weg Schweiz und die andere Hälfte Weg Frankreich) seh ich einen Helikopter. Wieder steigt mein Herzklopfen und ich tue so, als würde ich zum Schweizer Reitstall einbiegen. Der Heli fliegt weiter und ich fahre auch weiter.

Im Stall treffe ich eine Pensionärin, welche ich schon lange nicht mehr gesehen habe und wir tauschen uns kurz aus.

Dann wie üblich zwei Stunden Pferde bewachen beim Angrasen. Heute kein Workout, da der Nachbarbauer das Feld pflügte. Zudem ist die Bise immer noch unterwegs, aber es ist schön sonnig und eexxxtttreeeeem ruhig. Kein Heli mehr, kein Auto
und das Zruggtreiben aufs Paddock filmlich festgehalten:

https://youtu.be/7Eie0pc34nY

Die Herde ist super und ich in meinem Zirkuselement.



Wir haben kleine Pferde für kleine Leute, kräftige Pferde für kräftige Leute, schlanke Pferde für schlanke Leute, große Pferde für große Leute.
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Bearbeitet von: Prijon am: 24.03.2020 16:34:50 Uhr
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Prijon
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8014 Beiträge

Erstellt  am: 25.03.2020 :  17:24:39 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
The same procedure as the last Seven
Days.
Heute nichts Besonderes. Die Pferde sind brav. Die Neue integriert sich super.

Bei der Wette um das Fohlen bin ich raus. Es ist immer noch nicht da.

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Prijon
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8014 Beiträge

Erstellt  am: 28.03.2020 :  12:13:42 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
26. März 2020

Heute nichts Besonderes, ausser: die Ansteckungen sowie Todesfälle nehmen leider kein Ende. Italien, Spanien verhängen Ausgangssperren und verschärfen laufend die Massnahmen.

Auf dem Stallgelände befinde ich mich immer noch in der gleichen Wischiwaschi-Situation. Nach wie vor bin ich zuständig für das Angrasen der Herde und aufzupassen, dass sich die Pferde nicht verletzen, wenn sie zum Beispiel die Neue moppen und rumzicken.

Solange sie auf dem Gras sind, halten sich die Zickereien in Grenzen. Immer mal wieder wird sie attackiert von einem rangniederen Tier, dann wird rumgequitscht, gerosst und weitergefressen. Die Neue macht das gut. Sie verhält sich sehr unauffällig.

Einzig meine Dafiina hat noch ein riesiges Problem mit der Neuen. Auf der einen Seite hat sie wohl Angst, auf der anderen Seite nimmt sie kaum Notiz. Wenn sich ihre Wege zufällig kreuzen, wird sofort Hinter an Hinter geschlägelt.

Ganz toll ist auch, dass ich die Neue, wenn die Gras-Zeit rum ist, ganz einfach nehmen kann und sie von der Herde wegführen. Auch aus Verletzungsgründen lassen wir die Herde noch nicht mit ihr zusammen, wenn sie nicht grasen können.

Die Neue ist auf ihrem Paddock in Sichtweite zu der Herde und jammert rum.

Ein paar Tage noch, dann hat sich hoffentlich alles eingespielt.

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Prijon
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8014 Beiträge

Erstellt  am: 28.03.2020 :  12:30:16 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Freitag, 27. März 2020

Nun sind bereits mehr als 14 Tage rum seit Frankreich diese Ausgangssperre verhängt hat und die Situation rund um diesen Virus hat sich noch nicht gebessert.

Nichtsdesto trotz schwinge ich mich 7.15 Uhr aufs Velo, um meine drei Pferde zu versorgen und die Herde anzugrasen.

Heute verhalten sich alle Stuten und der Wallach so vorbildlich, dass ich beschliesse, die Herde mit der Neuen vom Gras aufs Paddock zu treiben und die Neue erst anschliessend vom Paddock zu nehmen. Natürlich nach Rücksprache mit der Stallbesi, welche von der anderen Seite her notfallmässig eingreifen könnte.

Immer noch ist mein Dirigierstock die Longierpeitsche und ich betrachte mich als Herdenchefin.

Die Leitstute hat eine gute innere Uhr und macht sich bereits auf den Weg zum provisorischen Ausgang als sie mich mit der Peitsche sieht; ihr dicht auf den Fersen der Wallach und zwei rangniedere Tiere. Alle schreiten brav zu diesem Nadelöhr und dann wirds kurz knifflig, da Dafiina voll agro auf die Neue losgeht, die brav der Herde hinterherdackelt. Die Leitstute, eigentlich schon auf dem Paddock, hört das Gezicke und dreht um. Ich bin leider zu weit weg, um sie zu dirigieren. Aber Dafiina erreiche ich und da sie eine Musterschülerin in Bodenarbeit ist und mich als Herdenchefin akzeptiert (meine Interpretation ) schirmt sie die zwei letzten der Herde von der neuen ab und alle galoppieren aufs Paddock - als letzte auch die Neue und ich kann die Weide schliessen.

Auf dem Paddock geht dann die Post aber wieder ab und fast alle gehen auf die Neue los, die aber stur stehen bleibt und auf meine Hilfe wartet. Mehrere Attacken lässt sie einfach abblitzen. Die Zähne der Angreiferinnen sind gebleckt, aber die Hufe bleiben mehr oder weniger am Boden. Ich nehm sie an den Strick und jage die anderen weg. Die Leitstute, wieder vorbildlich, schirmt nun die Zicken von uns ab und führt alle zur Tränke und ich kann unbehelligt bis zum Weideausgangstor.

Kurze Besprechung mit der Stallbesi, dass morgen Sonntag das Wetter umschlägt und wir die Pferde wohl eher am Nachmittag rauslassen. D.h. ich lasse sie raus und gegen Abend kommen sie wohl von selbst wieder rein.

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Prijon
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8014 Beiträge

Erstellt  am: 28.03.2020 :  13:16:17 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Samstag, 28. März:

so, nun ist's soweit. An der grünen Grenze steht ein Militärsoldat samt Auto. Ich frage ihn, ob ich noch zu den Pferden darf und er meint ja, wenn die Pferde in der Schweiz stünden. Ich schwindle ein bisschen rum und meine, dass die Grenze wohl mitten durch das Stallgelände verläuft und ich nur noch die Grundversorgung machen würde. Selbstverständlich mit allen Verhaltensregeln des BAG.
Von dort, wo er steht, sieht man beide Ställe und sämtliche Reitplätze, Reithallen und Weiden. Er überlegt und meint, dass ich nicht nach Frankreich dürfte und unten am Weg rechts müsse.

Ich nickte . Schlechtes Gewissen habe ich schon und da auf der Hauptstrasse eh kein Auto kommt, bin ich auch zuert nach rechts, ca. 5 Meter und dann halt umgedreht.

Der Stallbesi habe ich dann gesagt, dass ich wohl das letzte Mal da sei (für lange Zeit).

Dann habe ich Shadow genommen, sie auf die Weide gebracht und mich von ihr verabschiedet. Ev. sehe ich die 26jährige Shadow, welche mich fast 18 Jahre begleitet hat, nicht mehr. Dies treibt mir die Tränen in die Augen, beim Abschied, jetzt beim Schreiben und beim Lesen auch wieder

Dann holte ich Kaeley und Dafiina und liess sie ebenfalls auf die Weide und trottete ihnen hinterher. Ich filmte die Herde. Nahm die Bollenhaufen zusammen.
Etwa zur gleichen Zeit erhielten alle von der Stallbesi ihren Entscheid, dass sie keine Pensionäre mehr im Stall haben darf. Sie könne gebüsst werden und sogar ins Gefängnis kommen;

Zurück im Stall habe ich noch mit zwei Pensionärinnen gesprochen, welche denselben Weg über die grüne Grenze genommen hatten heute. Wir drei wurden alle mit unterschiedlichen Geschichten von dem jungen Militärsoldat durchgewunken und wir alle wissen, dass es für längere Zeit das letzte Mal gewesen ist.

Die Pferde werden gut versorgt. Die Stallbesi kümmert sich mit ihrer Mannschaft rührend um alle unsere Sonderwünsche. Das beruhtigt.

Aber: seit 2003 bin ich Tag für Tag von ca. 8.00 Uhr bis 11.00 Uhr im Stall oder mit meinen Pferden unterwegs. Dies wurde mir vom einen Tag auf den anderen verunmöglicht und niemand kann mir sagen wie lange es dauert.

Diese Zeit mit Abstauben, Aufräumen und Gartenarbeit zu ersetzen ist definitiv nicht mein Ding.

Deshalb werde ich nun mein Tagebuch entsperren und ihr dürft mich trösten, kluge Ratschläge erteilen oder mit mir schimpfen ... ich habe jetzt Zeit!


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**Fribi**
Junior Member



172 Beiträge

Erstellt  am: 28.03.2020 :  14:43:11 Uhr  Profil anzeigen  Besuche **Fribi**'s Homepage Sende **Fribi** eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Vielen Dank für deinen spannenden Bericht der letzten Tage. Wahrlich keine einfache Situation für alle Beteiligten aber nach dem Lesen deines Tagebuchs finde ich, dich trifft es besonders hart :-(. Es führt mir vor Augen dankbar zu sein, dass wir noch in den Stall und zu unseren Pferde dürfen, ja wir können sogar ganz normal ausreiten gehen.
Ich wünsche dir viel Kraft in dieser Zeit und hoffe ganz ganz fest, dass du heute dein altes Pferd nicht das letzte Mal gesehen hast und du ihr nach dem Ende der Sperre persönlich wieder Karotten und Äpfel geben kannst. Alles alles Gute dir!
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Melody5
Senior Member



1358 Beiträge

Erstellt  am: 28.03.2020 :  14:58:31 Uhr  Profil anzeigen Sende Melody5 eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
es tut mir unendlich leid. ich hoffe, dass du bald wieder zu deinen pferden darfst.
meine eltern wohnen in frankreich und ich hoffe auch, dass die grenze bald wieder öffnet und ich sie sehen darf.
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colorado123
Senior Member



1556 Beiträge

Erstellt  am: 28.03.2020 :  15:44:04 Uhr  Profil anzeigen Sende colorado123 eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Das Schlimmste ist, nicht zu wissen, wie lange das dauern wird. I feel you
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Moppi
Senior Member



1513 Beiträge

Erstellt  am: 28.03.2020 :  19:06:59 Uhr  Profil anzeigen Sende Moppi eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Ich kann Deine Trauer gut verstehen, habe ich doch mein in Frankreich stehendes Pferd schon seit eineinhalb Wochen nicht mehr gesehen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, welche Möglichkeit Du gefunden hast, zu Deinen Pferden zu kommen, aber um mich mit dem Fahrrad von Rodersdorf aus über die grüne Grenze zu mogeln, nur um ein paar Möhrchen reinzuschieben (denn ausreiten darf man ja nicht mehr), dafür war ich nicht mutig genug.
Alles Gute, bleibt gesund und hoffen wir, dass wir alle bald wieder zu unseren Pferden dürfen.
Auch wenn das eher ein kleines Problem ist. Gestern Abend ist die Mutter einer meiner Freundinnen im Spital an den Folgen ihrer Coronainfektion gestorben

Ein gutes Pferd hat keine Farbe. Ein sehr gutes Pferd ist braun.
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Jurablitz
Junior Member



262 Beiträge

Erstellt  am: 28.03.2020 :  23:51:56 Uhr  Profil anzeigen Sende Jurablitz eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat

Ich kann es nachfühlen. Unsere Pferde stehen in Deutschland, im Teilselbstversorger-Offenstall. Bisher konnten wir mit Hängen und Würgen noch 2 bis 3 mal pro Woche in den Stall, auch wir haben uns aufgeteilt. Auch ich bin seit Jahr und Tag jeden Tag bei meinen Pferden gewesen, meine Alte ist 24 und seit 21 Jahren bei mir. Es zeichnet sich ab, dass auch wir bald gar nicht mehr rüber dürfen. Und ja, auch für unsere Pferde wird gesorgt sein. Aber die Ungewissheit wie lange es dauern soll ist einfach schlimm. Ein kleiner Trost dabei ist, dass es wenigstens in die bessere Jahreszeit fällt, so können sie zumindest meistens auf die grossen Weiden...




Bau eine Brücke - die am anderen Ufer warten darauf...
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Prijon
Moderator



8014 Beiträge

Erstellt  am: 29.03.2020 :  11:01:24 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: **Fribi**


Ich wünsche dir viel Kraft in dieser Zeit und hoffe ganz ganz fest, dass du heute dein altes Pferd nicht das letzte Mal gesehen hast und du ihr nach dem Ende der Sperre persönlich wieder Karotten und Äpfel geben kannst. Alles alles Gute dir!

Danke, Fribi, das hoffe ich auch.

Wir haben kleine Pferde für kleine Leute, kräftige Pferde für kräftige Leute, schlanke Pferde für schlanke Leute, große Pferde für große Leute.
Und für alle, die noch nie geritten sind, haben wir Pferde, die noch niemand geritten hat.
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Prijon
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8014 Beiträge

Erstellt  am: 29.03.2020 :  11:02:25 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: Melody5

es tut mir unendlich leid. ich hoffe, dass du bald wieder zu deinen pferden darfst.
meine eltern wohnen in frankreich und ich hoffe auch, dass die grenze bald wieder öffnet und ich sie sehen darf.


Danke Melody. Ich hoffe auch für Dich, dass Du bald wieder Deine Eltern besuchen kannst. *Daumendrück*

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Prijon
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8014 Beiträge

Erstellt  am: 29.03.2020 :  11:11:41 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: colorado123

Das Schlimmste ist, nicht zu wissen, wie lange das dauern wird. I feel you


Danke. Ja, für alle ist diese Ungewissheit und vor allem diese Ausnahmesituation schlimm. Es ist wohl wie im Krieg, aber niemand weiss, wo die Waffe ist.

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Prijon
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8014 Beiträge

Erstellt  am: 29.03.2020 :  11:14:20 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: Moppi

Ich kann Deine Trauer gut verstehen, habe ich doch mein in Frankreich stehendes Pferd schon seit eineinhalb Wochen nicht mehr gesehen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, welche Möglichkeit Du gefunden hast, zu Deinen Pferden zu kommen, aber um mich mit dem Fahrrad von Rodersdorf aus über die grüne Grenze zu mogeln, nur um ein paar Möhrchen reinzuschieben (denn ausreiten darf man ja nicht mehr), dafür war ich nicht mutig genug.
Alles Gute, bleibt gesund und hoffen wir, dass wir alle bald wieder zu unseren Pferden dürfen.
Auch wenn das eher ein kleines Problem ist. Gestern Abend ist die Mutter einer meiner Freundinnen im Spital an den Folgen ihrer Coronainfektion gestorben

Das tut mir leid für Deine Freundin. Und ich finde dies kein kleines Problem. Es zeigt halt auf, dass die bisherigen Massnahmen noch nicht gefruchtet haben und es vermutlich eher krasser wird als gelockert.

Ich nehme an, Du weisst, wo ich meine Pferde habe. Und der Grenzübertritt ist (oder war) eigentlich nicht verboten, aber halt der Aufenthalt im Pferdestall, weil Frankreich Ausgangssperre hatte und eben noch explizit den Pferdebesitzern verbot, im Reitstall aufzukreuzen. Ich hoffe, dass Du auch Fotos erhältst von Deinem Liebling.

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Bearbeitet von: Prijon am: 29.03.2020 11:15:58 Uhr
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Prijon
Moderator



8014 Beiträge

Erstellt  am: 29.03.2020 :  11:20:25 Uhr  Profil anzeigen Sende Prijon eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: Jurablitz


Ich kann es nachfühlen. Unsere Pferde stehen in Deutschland, im Teilselbstversorger-Offenstall. Bisher konnten wir mit Hängen und Würgen noch 2 bis 3 mal pro Woche in den Stall, auch wir haben uns aufgeteilt. Auch ich bin seit Jahr und Tag jeden Tag bei meinen Pferden gewesen, meine Alte ist 24 und seit 21 Jahren bei mir. Es zeichnet sich ab, dass auch wir bald gar nicht mehr rüber dürfen. Und ja, auch für unsere Pferde wird gesorgt sein. Aber die Ungewissheit wie lange es dauern soll ist einfach schlimm. Ein kleiner Trost dabei ist, dass es wenigstens in die bessere Jahreszeit fällt, so können sie zumindest meistens auf die grossen Weiden...


Oh, ich drück Dir die Daumen, dass es für Euch noch lange so klappt.

Ich habe schon das Gefühl, dass ich weiterhin über die Grenze könnte. Bei uns stehen junge Rekruten, die keine Ahnung von der Gegend haben und ich wüsste diverse weitere Schleichwegli, die mir den Zugang zum Stall ohne Kontrolle ermöglichen.
Das Problem ist halt, dass unsere Stallbesi hart gebüsst wird, falls jemand von den Pensionären bei einer Kontrolle im Stall erwischt wird.
Und dann sind wir und vor allem unsere Pferde verloren.

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Und für alle, die noch nie geritten sind, haben wir Pferde, die noch niemand geritten hat.
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Moppi
Senior Member



1513 Beiträge

Erstellt  am: 29.03.2020 :  11:22:36 Uhr  Profil anzeigen Sende Moppi eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: Prijon
Ich hoffe, dass Du auch Fotos erhältst von Deinem Liebling.


Ja, ich sehe jeden Tag, wie er fetter wird
Nein, im Ernst, ich freue mich jeden Tag auf die Fotos oder Videos, die ich von meinem Pferd bekomme.

Edit: In Rodersdorf am grünen Grenzübergang steht ein Gatter mit einem Fahrverbotszeichen bis ins Feld rein. Ich glaube nicht, dass es legal ist, sich auch als Fussgänger dort vorbeizudrücken.

Ein gutes Pferd hat keine Farbe. Ein sehr gutes Pferd ist braun.

Bearbeitet von: Moppi am: 29.03.2020 13:07:36 Uhr
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Jurablitz
Junior Member



262 Beiträge

Erstellt  am: 29.03.2020 :  23:33:22 Uhr  Profil anzeigen Sende Jurablitz eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat

Nein, das glaube ich auch nicht. Bei uns sind alle kleineren Uebergänge von Seiten der Deutschen ebenfalls verrammelt. Und Deutschland droht mit 5-stelligen Bussen bei illegalem Grenzübergang. Das riskiere ich erst, wenn meinen Pferden die Beine abgefallen sind...

Im Ernst, es ist im Moment wirklich nicht mehr lustig, aber es geht ja allen gleich. Und unsere stehen erst noch im Offenstall und haben Platz, mit Glück bleiben die Weiden vorwiegend offen. Also denke ich, wenn ich z.B. ins Spital müsste müssten sie ja auch einige Zeit ohne mich überleben. Also werden sie zwar fett wie Rübenschweine werden aber die Zeit auch ohne mich überstehen. Hoffe ich...


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Lila1290
Advanced Member



2084 Beiträge

Erstellt  am: 30.03.2020 :  07:21:59 Uhr  Profil anzeigen Sende Lila1290 eine Private Nachricht  Antwort mit Zitat
Ich habe das gleiche Problem - Pferde steht in Frankreich und macht schon ordentlich Ekzem und ich kann nicht zu ihr, Decke und Pflege wären jetzt so wichtig...

Grundsätzlich habe ich eine Bescheinigung vom CH-Tierarzt, dass die chronisch krank ist und Pflege braucht und eine vom Stallbesitzer, dass diese Pflege mein Ding ist und sie sowas nicht machen.

Aktuell ists mir aber zu riskant und die Sachlage zu unklar, hoffentlich tut sich bald was in der Situation und das Wetter bleibt schlecht und kalt. Es bricht mir das Herz, wenn ich auf den Bildern aus dem Stall schon sehe wie sie kratzt und unruhig ist und ich einfach nichts machen kann...


Wer die Würde der Tiere nicht respektiert, kann sie ihnen nicht nehmen, aber er verliert seine eigene. - Albert Schweizer

Ideale sind wie Sterne: man kann sie nicht erreichen, aber man kann sich nach ihnen orientieren. - Carl Schurz

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